Gebäudegeschichte

 

Von der Volksschule zum Mehrgenerationenhaus

- das „neue“ Haus der Fami­lie in Bad Neuenahr-Ahr­wei­ler -

Von Hubert Rieck und Gre­gor Ter­por­ten

In den Jah­ren 2009 bis 2010 wur­de aus der ehe­ma­li­gen Volks- und  Grund­schu­le Bad Neuenahr in der West­stra­ße 6 das Haus der Fami­lie Bad Neuenahr-Ahr­wei­ler – Mehr­ge­nera­tio­nen­haus im Kreis Ahr­wei­ler. Die neue öffent­li­che Ein­rich­tung wird nach umfang­rei­chen Sanie­rungs-, Erwei­te­rungs- und Umbau­ar­bei­ten am 20.02.2010 gemein­sam mit einer Viel­zahl von Gäs­ten durch Herrn Bür­ger­meis­ter Dr. Hans- Ulrich Tap­pe offi­zi­ell eröff­net, durch die Ver­tre­ter der katho­li­schen und evan­ge­li­schen Kir­che öku­me­nisch ein­ge­seg­net und damit sei­ner neu­en Bestim­mung über­ge­ben: ein Zen­trum für genera­tio­nen­über­grei­fen­de Bil­dungs-, Bera­tungs-, Begeg­nungs- und Ver­an­stal­tungs­an­ge­bo­te.

Das sicher von vie­len Men­schen als erhal­tens­wert ein­ge­stuf­te, aber nicht unter Denk­mal­schutz ste­hen­de Gebäu­de mit­ten im Zen­trum des Stadt­tei­les Bad Neuenahr hat eine wech­sel­vol­le Geschich­te hin­ter sich. Die jewei­li­ge Nut­zung des Gebäu­des ist dabei immer ver­bun­den gewe­sen mit der gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lung. Mit der neu­en Ziel­set­zung schließt sich nun­mehr der Kreis in der Ver­wen­dung des ursprüng­lich als Volks­schu­le errich­te­ten Gebäu­des. 

Der nach­fol­gen­de Bei­trag skiz­ziert die Geschich­te des Gebäu­des und damit des Volks­schul­we­sens in Bad Neuenahr sowie die Kon­zep­ti­on des Mehr­ge­nera­tio­nen­hau­ses.

Betrach­tet man das Gebäu­de des jet­zi­gen Mehr­ge­nera­tio­nen­hau­ses des Jah­res 2010, so erkennt man – und dies ist so gewollt – drei Bau­ab­schnit­te: Zum einen den Gebäu­de­teil der alten Volks­schu­le, erbaut in den Jah­re 1906/07. Zum zwei­ten  erkennt man den West­flü­gel als Anbau der Volks­schu­le erbaut 1956/57. Der drit­te, aktu­el­le Bau­ab­schnitt umfasst die Gene­ral­sa­nie­rung, den Umbau zur heu­ti­gen Nut­zung sowie moder­ne Anbau­ten im Süd- und Ost­teil des Gebäu­de­kom­ple­xes.

Das Volks­schul­we­sen in Bad Neuenahr – Eine Zeit­auf­nah­me aus den Jah­ren 1906/07

Im Jah­re 1906 beschloss der Gemein­de­rat den Bau einer neu­en Schu­le, zunächst für 6 Kna­ben­klas­sen und Schul­dien­er­woh­nung an der West­stras­se. Der Bau ist mit Zen­tral­hei­zung ver­se­hen. Brau­se­bä­der sind ein­ge­rich­tet, die Ein­rich­tung ist nach den neu­es­ten Erfah­run­gen erfolgt“, so die knap­pen Aus­füh­run­gen aus dem Berichts­buch „Die Gemein­de Neuenahr 1857 – 1907“, bear­bei­tet 1908 im Auf­tra­ge des Gemein­de­ra­tes von Neuenahr durch Bür­ger­meis­ter Faul­ha­ber.

Die­se sach­li­che nüch­ter­ne Dik­ti­on ver­rät nichts über den qua­li­ta­ti­ven Quan­ten­sprung, den die­ser Neu­bau für die Schul­ju­gend Bad Neuenahrs dar­stell­te. Deut­lich wird die­ser, wenn man sich die Zeit- und Lebens­um­stän­de des Jah­res 1907 ver­deut­licht sowie die Vor­gän­ger- Schul­bau­ten und deren Aus­stat­tung sich vor Augen führt. Unse­re Regi­on gehör­te seit 1815 zur preu­ßi­schen Rhein­pro­vinz. Die Preu­ßen führ­ten 1825 die all­ge­mei­ne Schul­pflicht ein. Damit wur­de der Schul­be­such Pflicht, und all­mäh­lich ver­bes­ser­te sich das Schul­we­sen auch auf den Dör­fern und den klei­nen Städ­ten. Wenn­gleich die­se Schul­re­for­men zum Bes­se­ren hin, zeit­lich dau­er­ten und nach Regi­on und Finanz­kraft sehr unter­schied­lich waren, stell­ten die­se jedoch eine wesent­li­che Ver­bes­se­rung gegen­über der Vor-Preu­ßi­schen Zeit dar. Man konn­te vor 1815 auf dem fla­chen Lan­de sogar von chao­ti­schen Schul­ver­hält­nis­sen spre­chen: „ Wo es Schul­stu­ben gab, muss­ten sie häu­fig meh­re­re Funk­tio­nen erfül­len: sie waren auch Leh­rer­woh­nung oder Werk­statt, in denen der Leh­rer wäh­rend des Unter­richts noch einem Hand­werk nach­ging. Es war auch kei­ne Sel­ten­heit, dass hier der Leh­rer auch sein Feder­vieh hüte­te und sei­ne Frau die Wäsche auf­spann­te. Nicht immer gab es für die Schü­ler Tische und Bän­ke, und selbst ein­fachs­te Lehr­mit­tel waren nicht vor­han­den.“ So die plas­ti­sche Schil­de­rung aus der Schrift: „Schul­er­zie­hung auf dem Lan­de“.

1786 bau­te die Gemein­de Waden­heim — an der heu­ti­gen Haupt­stra­ße gele­gen, auf dem Grund­stück des jet­zi­gen alten Rat­hau­ses — ein Schul- und Vika­rie­haus. Ein Schul­leh­rer mit Name Peter Stein­born war dort bis 1804 tätig. Eine gewis­se Popu­la­ri­tät genoss in der Gemein­de Waden­heim Leh­rer Wel­ler, der ab 1841 die hie­si­gen Schul­kin­der unter­rich­te­te, wenn­gleich der zustän­di­ge Schul­rat des­sen Leis­tun­gen auf­grund von Schul­re­vi­sio­nen eher nega­tiv bewer­te­te. Im Jah­re 1857 unter­rich­te­ten 2 Leh­rer an der katho­li­schen Volks­schu­le 220 Kin­der. Näh­un­ter­richt erteil­te eine zusätz­lich ange­stell­te Näh­leh­re­rin. In den Fol­ge­jah­ren bis 1907 wur­de das Kol­le­gi­um der Volks­schu­le suk­zes­si­ve erwei­tert. Im Jah­re 1907 unter­rich­te­ten ins­ge­samt 5 Leh­rer und 5 Leh­re­rin­nen 307 Jun­gen und 314 Mäd­chen, ins­ge­samt 621 Kin­der, davon waren 582 katho­lisch, 33 evan­ge­lisch und 6 jüdi­schen Glau­bens. Die Aus­ga­ben der Gemein­de Neuenahr belie­fen sich auf 22.509,40 Mark.  Am 19. August 1907 zogen vier Kna­ben­klas­sen und eine gemisch­te Klas­se in das neue Schul­ge­bäu­de ein. Neben der 1907 errich­te­ten Kna­ben­schu­le exis­tier­te wei­ter­hin das 1867 gebau­te Schul­ge­bäu­de in der Kniels­gas­se, der heu­ti­gen Tele­gra­fen­stra­ße. Infol­ge ihrer Nut­zung wur­de die­se von den Neuenah­rern als „os ahl Mäd­che­schull en de Tele­jra­westroß“ beti­telt. Phil­ipp Bich­ler, ein Neuenah­rer Ori­gi­nal  wuss­te über die Mäd­che­schull viel zu berich­ten, z.B. über eine Leh­re­rin mit Namen Fräu­lein Cle­ver, die 38 Jah­re an die­ser Schu­le unter­rich­te­te. „Wenn se dat jraue Kleid anhatt, dann woß­te meh, dat se schlääch jelaunt woa.“ Fräu­lein The­re­se Cle­ver ver­starb am 6.11.1934 und fand auf dem Neuenah­rer Fried­hof ihre letz­te Ruhe­stät­te. 1964 wur­de das Gebäu­de der Mäd­che­schull abge­ris­sen, das über Genera­tio­nen hin­weg den Neuenah­rer Schü­lern eine Heim­statt war. Dar­über hin­aus dien­te das Gebäu­de als Depot der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr und wie sinn­reich: hin­ter dem Gebäu­de war das Neuenah­rer Kitt­chen, die Arrest­zel­len für Straf­tä­ter. Zugleich fan­den die Ein­schu­lungs­fei­ern für die Erst­kläss­ler bis in die 60 er Jah­re des letz­ten Jahr­hun­derts auch für die Jun­gen in der Mäd­che­schull statt.

Die Ein­wei­hung des neu­en Volks­schul­ge­bäu­des in der West­stra­ße fand in der ört­li­chen Pres­se kaum Reso­nanz, im Gegen­satz zu den Ein­wei­hungs­fest­lich­kei­ten des Pro­gym­na­si­ums Ahr­wei­ler-Neuenahr am 14. Okto­ber 1907. Der Ahr­wei­ler Bür­ger­meis­ter Blu­me lud namens des Kura­to­ri­ums die gesam­te Bür­ger­schaft der Stadt­ge­mein­de Ahr­wei­ler und die der Bür­ger­meis­te­rei Neuenahr zu „die­ser Fei­er erge­benst ein“. Neuenahr enga­gier­te sich finan­zi­ell beim Bau des Pro­gym­na­si­ums an der Wil­helm­stra­ße, wobei der Neuenah­rer Bür­ger­meis­ter Faul­ha­ber sei­nen Amts­kol­le­gen Blu­me aus Ahr­wei­ler sehr wert­schätz­te und dar­über hin­aus kom­mu­nal­po­li­ti­schen Weit­blick bewies. In der Fest­bei­la­ge der Ahr­wei­ler Zei­tung vom 17. Okto­ber 1907 wird der Neuenah­rer Bür­ger­meis­ter zitiert: „ Mei­ne Herrn! Gestat­ten Sie mir als gutem Nach­bar eini­ge Wor­te, und zwar den Dank an das Kura­to­ri­um der Schu­le zum Aus­druck zu brin­gen, in dem beson­ders die Herrn San-Rat Dr. von Ehren­wall und Leo­pold Kreuz­berg so viel geleis­tet haben. Da aber bei jeder Sache eine Spit­ze sein muß, will ich auch die­ser vor allem geden­ken. Die­se Spit­ze war Herr Bür­ger­meis­ter Blu­me. Selbst als er krank war, hat er unter Hint­an­set­zung sei­ner Gesund­heit mit­ge­ar­bei­tet. Ich als Ver­tre­ter der Land­bür­ger­meis­te­rei Neuenahr kann das wohl rich­tig ein­schät­zen. Die­se bei­den Gemein­den, die so dicht anein­an­der sto­ßen – die Neuenah­rer Gren­ze geht nahe am Ahr­wei­ler Bahn­hof vor­bei (Hei­ter­keit) – sie haben in der Schul­fra­ge gemein­sa­me Inter­es­sen. Aber wir haben noch mehr gemein­sa­me Inter­es­sen und ich glau­be, dass wir noch bei vie­len Sachen zusam­men­ar­bei­ten wer­den und auch müs­sen. Für bei­de Tei­le wird nur gutes dabei her­aus­kom­men…“ Prä­gen­de Leit­be­grif­fe des päd­ago­gi­schen Kon­zepts, dies ver­deut­li­chen die Fest­an­spra­chen, waren den Zeit­um­stän­den gemäß „ech­te Wis­sen­schaft, wah­re Reli­gio­si­tät, glü­hen­de Vater­lands­lie­be und edle Sit­te“. So führ­te Bür­ger­meis­ter Blu­me 1907 aus: „Denn was nutzt alle Wis­sen­schaft, wenn es an der wah­ren Her­zens­bil­dung und der kind­li­chen Fröm­mig­keit des Gemü­tes fehlt. Und wie kann ande­rer­seits ein jun­ger Mann als reif für das Leben hin­aus­ge­schickt wer­den, wenn ihn nicht eine ech­te und schö­ne Vaters­lands­lie­be, die Lie­be zu Kai­ser und Reich mit der Wär­me eines inne­ren Feu­ers durch­glüht. Wird die Schu­le die­se ihr vor­ge­steck­ten Zie­len gerecht, so wird und muß sie wach­sen, blü­hen und gedei­hen und dadurch zu einer Quel­le des Segens wer­den für unser gelieb­tes, herr­li­ches Ahr­tal, zu einer Quel­le des Segens für das uns alle umfas­sen­de gro­ße deut­sche Vater­land! Das wal­te Gott.“ Jene Para­dig­men waren in der Kai­ser­zeit auch im Volks­schul­we­sen gül­tig, wobei zusätz­lich die Hei­mat­kun­de einen zen­tra­len Stel­len­wert ein­nahm. Die soge­nann­te „Vater­län­di­sche Erzie­hung“ wur­de sehr deut­lich anläss­lich der jähr­lich statt­fin­den­den Fei­ern zu Kai­sers Geburts­tag. Die Ahr­wei­ler Zei­tung berich­te­te am 29. Janu­ar 1907 aus dem Heil­ba­de Neuenahr: „Die Kai­ser­ge­burts­tags­fei­er in den Schu­len ver­lief in der her­kömm­li­chen Wei­se. Die katho­li­schen Schul­klas­sen fan­den sich am Sams­tag im gro­ßen Saa­le des gol­de­nen Pflug ein, wo bei Gesang und Dekla­ma­tio­nen des Lan­des­va­ters gedacht wur­de. Die Fest­re­de hielt Herr Leh­rer Höver, wor­auf die Ver­tei­lung der Kai­s­er­we­cken statt­fand. Die­se alte Sit­te fin­det immer wie­der den Bei­fall der Kin­der. Natür­lich dür­fen die­se Wecken nicht zu klein aus­fal­len.“

Tren­nung nach Kon­fes­si­on und Geschlecht

Das Schul­ge­bäu­de in der West­stra­ße wur­de zunächst immer mit der Katho­li­schen Volks­schu­le gleich­ge­setzt. Der Vor­läu­fer der Evan­ge­li­schen Volks­schu­le war eine 1872 gegrün­de­te Pri­vat­schu­le mit Namen „Evan­ge­li­sche Fami­li­en­schu­le“, unter Trä­ger­schaft der Kir­chen­ge­mein­de. Unter­rich­tet wur­den die Kin­der durch die Leh­re­rin M. Sie­vers, die 1897 in den Ruhe­stand ging. In jener Zeit lag die Schü­ler­zahl knapp über 20 Kin­der, da auch Schü­ler jüdi­schen Glau­bens die­se Schu­le besuch­ten.  Schließ­lich gelang es, dass die Regie­rung einen staat­lich aner­kann­ten Leh­rer nach Neuenahr schick­te und die Gemein­de sich bereit erklär­te, die Per­so­nal­kos­ten für den Leh­rer und bestimm­te Sach­kos­ten zu über­neh­men.  Jedoch muss­te die evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de wei­ter­hin einen Schul­raum mit Ein­rich­tung zur Ver­fü­gung stel­len. Damit war auch offi­zi­ell aus der Evan­ge­li­schen Fami­li­en­schu­le die „Evan­ge­li­sche Volks­schu­le“ gewor­den. Die­se unter­stand als selb­stän­di­ge Ein­rich­tung der staat­li­chen Schul­auf­sicht. Leh­rer und Schul­lei­ter wur­de für vie­le Jah­re der Päd­ago­ge Peter Knob­lauch. Das Jahr 1907 war für die Ent­wick­lung der Evan­ge­li­schen Volks­schu­le des­halb so bedeut­sam, inso­fern die Gemein­de nun bereit war,  alle Schul­kos­ten zu über­neh­men. Daher fand der Umzug die­ser Schu­le aus dem evan­ge­li­schen Gemein­de­haus in die Mäd­chen­schu­le in der Tele­gra­fen­stra­ße statt. Dort  bezog man einen Klas­sen­raum. Im Jah­re 1909 wech­sel­te man schließ­lich in das neue Schul­ge­bäu­de in der West­stra­ße und erhielt hier einen eige­nen Klas­sen­raum.

In die­sem Gebäu­de bleib man bis 1939 als selb­stän­di­ge ein­klas­si­ge Evan­ge­li­sche Volks­schu­le. In der NS-Zeit wur­den durch „Gesetz“ die kon­fes­sio­nel­len Schu­len auf­ge­löst. Die katho­li­schen und evan­ge­li­schen Kin­der besuch­ten nun eine Volks­schu­le, deren Bezeich­nung „Deut­sche Gemein­schafts­schu­le“ war. Die Eta­blie­rung die­ser Schu­le wur­de von einer natio­nal­so­zia­lis­tisch aus­ge­rich­te­ten Päd­ago­gik geprägt. Hier­mit gin­gen ein­her die ideo­lo­gi­sche Über­prü­fung, „Säu­be­rung“ und Gleich­schal­tung der Leh­rer­schaft. Des wei­te­ren wur­den Unter­richts­in­hal­te neu akzen­tu­iert, „Ver­er­bungs- und Ras­sen­kun­de“ wur­de zu der  Leit­li­nie aller Fächer.  Die Aus­gren­zung der Schü­ler jüdi­schen Glau­bens erreich­te einen ers­ten trau­ri­gen Höhe­punkt nach den Juden­po­gro­men im Jah­re 1938 im gänz­li­chen Ver­bot „deut­sche Schu­len“ zu besu­chen. Nähe­re Infor­ma­tio­nen über das Schul­we­sen in der NS-Zeit sowie die men­schen­ver­ach­ten­de NS-Poli­tik fin­den sich im Band 2 des Stu­di­en­bu­ches zur Kreis­ge­schich­te „Kreis Ahr­wei­ler unter dem Haken­kreuz“.

Nach Haupt­leh­rer Wag­ner folg­te 1911 als Rek­tor der Katho­li­schen Schu­le bzw. der Deut­schen Gemein­schafts­schu­le Fried­rich Wil­helm Weber. Er übte sein Amt bis 1944 aus. Bezüg­lich der kon­fes­sio­nel­len Tren­nung in der „Kna­ben­schu­le“ in der West­stra­ße mach­te sich das Neuenah­rer Ori­gi­nal Phil­ipp Bich­ler so sei­ne Gedan­ken: „ Mir en de Jon­ge­schull hat­ten doch streng no de Reli­jun jet­renn­te Toi­let­ten. Mir hat­ten oß eije­ne Abtred­de on die ande­re och ihr eije­ne. Dat wued alles streng ousen­an­de jehah­le. Wat könnt do für en Onde­schied senn? De Wit­sche Schäng on ech senn dann ens, wie kei­ne Evan­ge­li­sche en de Nöh woare, da ens spin­xe jejan­ge. Meh konn­ten äwe kei­ne Onde­schied faß­stel­le“.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg kam 1945 der Schul­be­trieb unter der Lei­tung von Rek­tor Franz Kül­zer am 1.Oktober zunächst nur schlep­pend in Gang. Zwar waren die Schul­ge­bäu­de in Bad Neuenahr unzer­stört geblie­ben, aber die Unter­richts­ver­sor­gung mit Lehr­kräf­ten war alles ande­re als ein­fach. Der poli­ti­sche Neu­an­fang in einem demo­kra­ti­schen Sin­ne mani­fes­tier­te sich in ers­ten Gemein­de- und Kreis­tags­wah­len 1946 sowie 1. Land­tags­wahl des neu­en Lan­des Rhein­land-Pfalz am 18. Mai 1947. Damit ver­bun­den waren Abstim­mun­gen über die Lan­des­ver­fas­sung und die Schul­ar­ti­kel, die auf­grund des kon­fes­sio­nell aus­ge­rich­te­ten Schul­we­sens beson­ders umstrit­ten waren. Wäh­rend auf Lan­des­ebe­ne knap­pe 50,4% für eine kon­fes­sio­nell getrenn­te Volks­schu­le stimm­ten, waren es im Kreis Ahr­wei­ler 84,7% der Stim­men.

Zunächst stand in Bad Neuenahr kei­ne evan­ge­li­sche Lehr­kraft zur Ver­fü­gung. Dies änder­te sich erst am 1. Novem­ber 1948 mit der Ein­rich­tung einer evan­ge­li­schen Volks­schu­le, die ein­klas­sig mit 5o Kin­dern zu füh­ren war. Durch den ver­stärk­ten Zuzug nach Bad Neuenahr stie­gen die  Schü­ler­zah­len von Kin­dern mit evan­ge­li­schem Glau­bens­be­kennt­nis an. 1950 wur­de die Evan­ge­li­sche. Schu­le zwei­klas­sig, 1954 waren es schon 111 Kin­der, die Schu­le blieb aber zwei­zü­gig, da es an Lehr­kräf­ten fehl­te. 1957 trat eine drit­te Lehr­kraft an der Evan­ge­li­sche Schu­le den Dienst an. Infol­ge der zuneh­men­den Schü­ler­zah­len herrsch­te nun enor­mer Platz­man­gel in den bei­den Neuenah­rer Schul­ge­bäu­den. So ent­schloss sich der Stadt­rat vier Klas­sen­räu­me an das 1907 erbau­te Schul­haus anzu­bau­en. Am 10. Sep­tem­ber 1957 konn­te der neue West­flü­gel sei­ner Bestim­mung über­ge­ben wer­den. Er umfas­te auf 2 Eta­gen 4 Klas­sen­räu­me, davon  zwei  mit Grup­pen­raum, zwei Schul­lei­ter­zim­mer und Toi­let­ten­an­la­gen. Je 2 Klas­sen­räu­me erhielt die Kath. Volks­schu­le und die Evan­ge­li­sche Volks­schu­le. Die Lei­tung der Katho­li­schen Volks­schu­le oblag seit 16. April 1957 Rek­tor Jakob Reß, Schul­lei­ter Otto Kann­gie­ßer führ­te die Evan­ge­li­sche Volks­schu­le.

Von der Volks­schu­le zur Grund- und Haupt­schu­le

Gene­rell nah­men die Schü­ler­zah­len in Bad Neuenahr ste­tig zu. Ins­be­son­de­re durch die Ein­rich­tung von Dienst­stel­len der Bun­des­wehr stieg die Schü­ler­zahl mit evan­ge­li­schem Glau­bens­be­kennt­nis rasant an, somit wur­de die Evan­ge­li­sche Volks­schu­le 1959 vier­klas­sig, 1964 sogar fünf­klas­sig. So ent­schied sich der Stadt­rat von Bad Neuenahr zum Bau einer neu­en Volks­schu­le an der West­stra­ße-Hem­mes­ser Stra­ße gele­gen. „Bad Neuenahr hat sei­ne neue Volks­schu­le – Ein gedie­ge­ner, form­schö­ner und zweck­mä­ßi­ger Schul­bau ist für unse­re Jugend und für die kom­men­de Genera­ti­on fer­tig­ge­stellt“, so titel­te in ihrer Über­schrift die Bad Neuenah­rer Chro­nik am 10. Juli 1964.  Von den zehn Klas­sen­räu­men des Neu­baus in der West­stra­ße 27 über­nahm die Katho­li­sche Volks­schu­le sechs Räu­me im Ost-West­trakt. Vier Klas­sen­räu­me gehör­ten im Nord-Süd­trakt der Evan­ge­li­schen Volks­schu­le. Eine Klas­se der Evan­ge­li­schen Volks­schu­le ver­blieb in ihrem Klas­sen­raum im alten Volks­schul­ge­bäu­de des Jah­res 1907. Schul­lei­ter Kann­gie­ßer kom­men­tier­te dies lapi­dar: „Scha­de!“ Ver­ständ­lich war eine sol­che Äuße­rung, denn die Kon­zep­ti­on die­ses neu­en Schul­ge­bäu­des erwies sich für die noch anste­hen­den Schul­re­for­men als über­aus zukunfts­fä­hig.

Rek­tor Josef Mül­ler aus Ahr­wei­ler führ­te seit dem 1. Sep­tem­ber 1962 die Katho­li­sche Volks­schu­le Bad Neuenahr. Er ver­fass­te u.a. eine klei­ne Abhand­lung über die Geschich­te der Neuenah­rer Volks­schu­le und führ­te über sei­ne Amts­zeit hin­weg eine exak­te Schul­chro­nik. Für den 15.12.1970 schrieb er: „Selb­stän­di­ge Grund­schu­le – Mit Wir­kung vom 1.12.1970 hat die Bezirks­re­gie­rung Koblenz die Grund­schu­le als selb­stän­di­ge Schu­le von der Volks­schu­le Bad Neuenahr abge­trennt. Am heu­ti­gen Tage war um 16 Uhr mei­ne offi­zi­el­le Ein­füh­rung als Lei­ter der Grund­schu­le durch Schul­rat Franz Stein und Schul­rat Johan­nes Luxem.“ Für den 19.12.1970 notier­te er: „Der Umzug ist voll­zo­gen. Das Amts­zim­mer ist arbeits­be­reit.“

Die Struk­tur der alten Volks­schu­le hat­te also 1970 ihr Ende gefun­den, jedoch das alte Volks­schul­ge­bäu­de von 1907 dien­te nun der Grund­schu­le als Heim­statt, wäh­rend­des­sen die neue Haupt­schu­le in das Gebäu­de von 1964 an der Weststraße/Hemmesser Stra­ße ein­zog.

Rek­tor Franz Deres lei­te­te mit Kon­rek­tor Gis­bert Nehls zunächst die Haupt­schu­le Bad Neuenahr, wobei Gis­bert Nehls spä­ter das Amt des Rek­tors über­nahm.

In der Schul­chro­nik gibt Rek­tor Josef Mül­ler eine viel­schich­ti­ge Innen­sicht in die Grund­schul­ar­beit. So besuch­ten im Schul­jahr 1971/72 die Klas­sen 1 ins­ge­samt 168 Kin­der, ver­teilt auf vier Klas­sen. Infol­ge stei­gen­der Schü­ler­zah­len und der damit ver­bun­de­nen Raum­knapp­heit errich­te­te man auf dem Schul­hof sog. Pavil­lons, die als Schul­räu­me dien­ten. Ein Pavil­lon, so der Ein­trag in der Schul­chro­nik am 3.9.1973 „soll auf einem städ­ti­schen Grund­stück ent­lang der Turn­hal­le gegen­über der Schu­le auf­ge­stellt wer­den.“

Nach der Zusam­men­le­gung der Haupt­schu­len Bad Neuenahr und Ahr­wei­ler in das Schul­ge­bäu­de an der St. Pius­stra­ße zog die Grund­schu­le Bad Neuenahr 1989 kom­plett in das nun zur Ver­fü­gung ste­hen­de Gebäu­de an der West­stra­ße 27, das Volks­schul­ge­bäu­de von 1964 ist damit bis heu­te Heim­statt der Grund­schul­kin­der. Die letz­te Rek­to­rin der Haupt­schu­le Bad Neuenahr war Ulri­ke Senn­laub, die Nach­fol­ger des 1978 pen­sio­nier­ten Rek­tors Josef Mül­ler waren Anne­lie­se Kischew­ski, Karl Hat­wig, Klaus Ker­ber und Hubert Rieck.

Nut­zung als Ver­eins­haus

Nach dem Aus­zug der Grund­schu­le stand das so tra­di­ti­ons­be­la­de­ne und geschichts­träch­ti­ge Gebäu­de leer und es gab ernst­zu­neh­men­de Über­le­gun­gen eines Abris­ses. Die­se Plä­ne wur­den schließ­lich ver­wor­fen, und so wur­de aus der ehe­ma­li­gen Volks­schu­le eine Heim­statt für eine Viel­zahl von Ver­ei­nen, die sich in den ehe­ma­li­gen Klas­sen­räu­men ein­rich­te­ten. Die­se Behei­ma­tung von tra­di­ti­ons­rei­chen Neuenah­rer Ver­ei­nen, z.B. der Bür­ger­ge­sell­schaft Waden­heim, dem Bür­ger­ver­ein Beul, dem Turn­ver­ein TV 06, dem Män­ner- und Frau­en­chor (MFC) berei­cher­te durch die viel­fäl­ti­gen Akti­vi­tä­ten das sozia­le und kul­tu­rel­le Leben in die­sem Stadt­teil der Gesamt­stadt Bad Neuenahr-Ahr­wei­ler. Ein Attrak­ti­ons­punkt für vie­le älte­re Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger unse­rer Stadt war der unter den Kas­ta­ni­en­bäu­men des alten Schul­ho­fes statt­fin­den­de „Waden­hei­mer Klaff“. Zudem rich­te­te man in den Fol­ge­jah­ren dort Räum­lich­kei­ten für die Katho­li­sche Fami­li­en­bil­dungs­stät­te Bad Neuenahr-Ahr­wei­ler e.V. sowie die drit­te Hort­grup­pe des Blan­di­ne-Mer­ten-Hau­ses ein.

Exkurs: Leh­rer, die wir hat­ten .…

Jeder, der schon ein­mal ein Klas­sen­tref­fen besucht hat, weiß um die Wen­dung: „Weißt du noch, als unser Leh­rer …? Schul­ge­schich­ten gab es und gibt es immer wie­der, Erin­ne­run­gen an Mit­schü­le­rin­nen und Mit­schü­ler, Leh­re­rin­nen und Leh­rer, Haus­meis­ter und Sekre­tä­rin­nen, Per­so­nen aus der Schu­le und Per­sön­lich­kei­ten, die über zum Teil vie­le Jah­re hin­weg in Geschich­ten, Anek­do­ten, Erin­ne­run­gen, bis­wei­len sehr sub­jek­ti­ven Schil­de­run­gen uns allen prä­sent sind und somit aus dem Dun­kel der Ver­gan­gen­heit her­aus­ge­zo­gen wer­den. Men­schen, die uns unter­rich­tet haben, die uns bis­wei­len zum Lachen oder Wei­nen gebracht haben, die uns beein­druckt, beein­flusst oder gar ein Stück weit geprägt haben. Im fol­gen­den sei­en eini­ge Namen von Lehr­per­so­nen aus der Neuenah­rer Volks­schu­le genannt, die beim dem einen oder ande­ren Leser Erin­ne­run­gen wach­ru­fen. Bemer­kens­wert war die Tat­sa­che, dass vie­le die­ser Päd­ago­gen in Bad Neuenahr arbei­te­ten und zugleich dort leb­ten, gar in ihrer Stadt ver­wur­zelt waren und bis­wei­len sogar hohes Anse­hen genos­sen. Die Aus­wahl der fol­gen­den Namen erhebt kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit: Leh­rer Joh. Seb. Wel­ler, Leh­rer Peter Chris­ti­an Knob­lauch, Leh­rer Höver, Leh­rer Jakob Wey­er,  Leh­rer Hans Laue, Leh­rer Otto Kratz, Rek­tor Fried­rich Weber, Rek­tor Kül­zer, Kon­rek­tor Josef Wil­helm, Ober­leh­rer Hugo Oster­mann, Ober­leh­rer Aloys Schrandt, Fräu­lein Maria Esch, Rek­tor Reß, Haupt­leh­rer Kann­gie­ßer, Rek­tor Josef Mül­ler, Rek­tor Franz Deres, Rek­tor Gis­bert Nehls, Rek­to­rin Anne­lie­se Kischew­ski, Rek­tor Karl Hat­wig.

Umbau zum Haus der Fami­lie — Mehr­ge­nera­tio­nen­haus

Aus dem Schul­we­sen las­sen sich viel­fach Rück­schlüs­se zie­hen auf die Grund­an­sich­ten der Men­schen, das Fami­li­en- und Wer­te­ver­ständ­nis sowie die Anfor­de­run­gen an Staat und Gesell­schaft der jewei­li­gen Zeit. Das Schul­we­sen ist damit ein Spie­gel der jewei­li­gen Gesell­schaft, der Wer­te­ar­chi­tek­tur sowie der poli­ti­schen Herr­schafts- und Staats­for­men.

Den Weg zur heu­ti­gen Nut­zung des Gebäu­des initi­ier­te zwar kei­ne Schul­re­form, letzt­lich aus­schlag­ge­bend waren aber auch hier wie­der­um die gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen der heu­ti­gen Zeit und der damit ver­bun­de­ne zuneh­men­de Weg­fall der tra­di­tio­nel­len Fami­li­en­struk­tu­ren. Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Ent­wick­lun­gen soll­te — auf Initia­ti­ve der dama­li­gen Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ursu­la von der Ley­en — in jedem Land­kreis in Deutsch­land ein soge­nann­tes Mehr­ge­nera­tio­nen­haus ent­ste­hen. Mehr­ge­nera­tio­nen­häu­ser in die­sem Sin­ne sind kei­ne genera­ti­ons­über­grei­fen­den Wohn­pro­jek­te, son­dern viel­mehr öffent­lich zugäng­li­che Orte der Begeg­nung für Men­schen aller Alters­grup­pen Sie sol­len Raum bie­ten für gemein­sa­me Akti­vi­tä­ten und bedarfs­ge­rech­te Ange­bo­te, wie­der Ver­ständ­nis für­ein­an­der schaf­fen und so hel­fen, ein neu­es nach­bar­schaft­li­ches und genera­tio­nen­über­grei­fen­des Mit­ein­an­der auf­zu­bau­en. Mehr­ge­nera­tio­nen­häu­ser sol­len zen­tra­le und gut ver­netz­te Anlauf­stel­len sein, die die sozia­le Infra­struk­tur vor Ort stär­ken, im Bedarfs­fall Bera­tung und prak­ti­sche Hil­fe ver­mit­teln und dabei mög­lichst frei­wil­lig Enga­gier­te aller Genera­tio­nen in ihre Arbeit ein­be­zie­hen. Die mitt­ler­wei­le über 500 in Deutsch­land ent­stan­de­nen Mehr­ge­nera­tio­nen­häu­ser unter­schei­den sich dabei bau­lich wie auch inhalt­lich hin­sicht­lich ihrer kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung, Orga­ni­sa­ti­on, den jewei­li­gen Ange­bo­ten wie auch der Trä­ger­schaft.

Auch im Kreis Ahr­wei­ler soll­te ein Mehr­ge­nera­tio­nen­haus ent­ste­hen, und unter der Feder­füh­rung der Kreis­ver­wal­tung Ahr­wei­ler wur­de — bei Betei­li­gung der Kir­chen und der sozi­al akti­ven Ver­ei­ne, Ver­bän­de und Ein­rich­tun­gen — ein ent­spre­chen­der Infor­ma­ti­ons- und Dis­kus­si­ons­pro­zess ein­ge­lei­tet. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahr­wei­ler signa­li­sier­te dabei früh­zei­tig die Bereit­schaft, sich hier zu enga­gie­ren, auch vor dem Hin­ter­grund der zen­tra­len Lage im Kreis­ge­biet und den vor­han­de­nen Bevöl­ke­rungs­struk­tu­ren.

Die inner­halb der Stadt­ver­wal­tung gebil­de­te Arbeits­grup­pe favo­ri­sier­te schnell das Gebäu­de der ehe­ma­li­gen Grund­schu­le Bad Neuenahr als Stand­ort für das Mehr­ge­nera­tio­nen­haus. Für das Gebäu­de wären ohne­hin eine Viel­zahl von Maß­nah­men not­wen­dig gewor­den, um es dau­er­haft zu erhal­ten und sowohl bau­lich, tech­nisch wie auch ener­ge­tisch an die heu­ti­gen Anfor­de­run­gen anzu­pas­sen. Die hier­für zu erwar­ten­den erheb­li­chen Kos­ten stan­den aber in kei­nem Ver­hält­nis zu einer Fort­set­zung der bis­he­ri­gen Nut­zung als rei­nes Ver­eins­heim, zumal sich auch die tat­säch­li­che Nut­zung recht unter­schied­lich dar­stell­te. Neben teil­wei­se recht inten­siv genutz­ten Räu­men wur­den eini­ge der frü­he­ren Klas­sen­räu­me nur an weni­gen Tagen im Monat tat­säch­lich genutzt, waren für einen ein­zel­nen Ver­ein über­di­men­sio­niert oder wur­den nur als Lager­flä­chen ver­wen­det.

Für eini­ge der bis­her in der alten Grund­schu­le behei­ma­te­ten Nut­zer konn­ten ande­re Unter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten gefun­den wer­den: So ver­fügt z.B. der Män­ner- und Frau­en­chor Bad Neuenahr (MFC) — durch den mit städ­ti­scher Unter­stüt­zung erfolg­ten Anbau an der Pfarr­saal der Katho­li­schen Kir­chen­ge­mein­de St. Mari­en und St. Wil­li­brord Bad Neuenahr – zwi­schen­zeit­lich über eige­ne Räum­lich­kei­ten. Der tra­di­ti­ons­rei­che Turn­ver­ein 06 Bad Neuenahr e.V. (TV 06) rich­te­te sei­ne Geschäfts­stel­le vor­über­ge­hend in einer städ­ti­schen Lie­gen­schaft ein, bis durch die nun vor­ge­se­he­ne Bau­maß­nah­me an der Sport­hal­le der heu­ti­gen Grund­schu­le auch hier ver­eins­ei­ge­ne Räu­me geschaf­fen wer­den kön­nen. Ein wei­te­res Bei­spiel sind auch die Bür­ger­ge­sell­schaf­ten Waden­heim und Beul, die neue Geschäfts­räu­me in einer ehe­ma­li­gen städ­ti­schen Woh­nung ein­ge­rich­tet haben. Die Hort­grup­pe und die Fami­li­en­bil­dungs­stät­te wur­den in die neue Nut­zung inte­griert. Dar­über hin­aus wird natür­lich auch das neue Haus der Fami­lie – Mehr­ge­nera­tio­nen­haus vie­le Nut­zungs­mög­lich­kei­ten für die Ver­ei­ne bie­ten.

Mit der neu­en Nut­zung konn­ten zudem aber auch wei­te­re Pro­ble­me gelöst wer­den. So droh­te der evan­ge­li­schen Kin­der­ta­ges­stät­te in Bad Neuenahr auf­grund der bau­li­chen wie auch finan­zi­el­len Situa­ti­on die Schlie­ßung. Die evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de Bad Neuenahr zeig­te sich nach ent­spre­chen­den Gesprä­chen bereit, die Betreu­ungs­ein­rich­tung als Trä­ger in einem städ­ti­schen Gebäu­de zwei­grup­pig fort­zu­füh­ren. Für die  bis­her nur pro­vi­so­risch ein­ge­rich­te­te Hort­grup­pe konn­te eine räum­lich attrak­ti­ve Lösung gefun­den wer­den, und auch die Zusam­men­le­gung der bei­den Stand­or­te der katho­li­schen Fami­li­en­bil­dungs­stät­te dürf­te zu wesent­li­chen Ver­bes­se­run­gen füh­ren. Die­se wei­ter­hin recht­lich selbst­stän­di­gen Ein­rich­tun­gen wur­den bau­lich und inhalt­lich rund um einen mul­ti­funk­tio­nal aus­ge­leg­ten Kern­be­reich im 1. Ober­ge­schoss des Gebäu­des grup­piert und damit auch in das Gesamt­kon­zept inte­griert.         

Am 29. Okto­ber 2009 wur­de eine Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung abge­schlos­sen, mit der sich der Kreis Ahr­wei­ler und die Stadt Bad Neuenahr-Ahr­wei­ler sowie mit der evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de Bad Neuenahr — als Trä­ger der Kin­der­ta­ges­stät­te — und der katho­li­sche Fami­li­en­bil­dungs­stät­te Bad Neuenahr-Ahr­wei­ler e.V. auch Ver­tre­ter der bei­den gro­ßen christ­li­chen Kir­chen zu einer Zusam­men­ar­beit im Sin­ne der Ziel­rich­tung der Ein­rich­tung ver­pflich­te­ten.

Durch die unter Berück­sich­ti­gung der Gestal­tungs­sat­zung für den Stadt­teil Bad Neuenahr erfolg­te Sanie­rung und Erwei­te­rung konn­te einer­seits der Charme des alten Gebäu­des erhal­ten und die­ses ande­rer­seits auf sei­ne neue Ver­wen­dung vor­be­rei­tet wer­den. Dies ist beson­de­re den bei­den Bad Neuenah­rer Archi­tek­ten Wer­ner und Micha­el Unger zu ver­dan­ken, die mit der Ver­bin­dung von Archi­tek­tur, Fach­kennt­nis sowie Hei­mat­ver­bun­den­heit über das not­wen­di­ge Fin­ger­spit­zen­ge­fühl für die Bau­maß­nah­me ver­füg­ten. Durch die umfas­sen­de bau­li­che und tech­ni­sche Sanie­rung sowie die Aus­stat­tung mit einer moder­nen Hack­schnit­zel­hei­zung kön­nen auch die Vor­ga­ben der aktu­el­len Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung 2009  (EnEV) ein­ge­hal­ten wer­den.

Das Gebäu­de ist nun­mehr wei­ter­hin ein Ort für Betreu­ungs- und Bil­dungs­an­ge­bo­te, aber auch für die Begeg­nung, Bera­tung, Hil­fe und das Mit­ein­an­der der Genera­tio­nen. Mit den Umbau­maß­nah­men wur­de zunächst eine ent­spre­chen­de Infra­struk­tur geschaf­fen. Die nächs­ten Jah­re wer­den zei­gen, ob auch die Men­schen bereit sind, sich hier ein­zu­brin­gen, ehren­amt­lich zu enga­gie­ren und damit die neue Ein­rich­tung auch mit Leben zu fül­len.

Ob die heu­ti­ge Nut­zung damit das letz­te Kapi­tel in der wech­sel­vol­len Geschich­te des Gebäu­des ist, bleibt abzu­war­ten. Man kann aber zuver­sicht­lich sein, dass mit den erfolg­ten Sanie­rungs­maß­nah­men ein sinn­vol­ler Erhalt des Gebäu­des für die nächs­ten Jahr­zehn­te sicher­ge­stellt wer­den konn­te.    

Bad Neuenahr-Ahr­wei­ler, Janu­ar 2010

Hubert Rieck, Rek­tor der Grund­schu­le Bad Neuenahr

Gre­gor Ter­por­ten, Mit­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung Bad Neuenahr-Ahr­wei­ler

Unser herz­li­cher Dank gilt Herrn Stef­fen Schüt­ze vom Stadt­ar­chiv Bad Neuenahr-Ahr­wei­ler. Fer­ner dan­ken wir herz­lich Herrn Hans-Jür­gen Rit­ter, des­sen Pri­vat-Archiv wir ein­se­hen durf­ten. Des wei­te­ren gebührt ein herz­li­cher Dank Herrn Horst Fel­ten, des­sen Samm­lung der Ahr­wei­ler Nach­rich­ten wir aus­wer­ten durf­ten.